Zeilen über dunkle Zeiten

Dies sind einige Tagebuch-Einträge aus der düstersten Zeit in diesem Jahr. Gehört dies zum Leben? Oh ja. Wird die Düsternis wieder kommen? Oh ja. Und dennoch, hat meine Seele diesen Weg mit einem Grund gewählt. Ohne Schmerz kein Vorankommen. Loving the light, loving the darkness.

24.05.2020

Und wieder am Boden. Und wieder alles zerstört. Und wieder Angst vor jedem neuen Tag, vor der erneuten Leere und dem immer wieder kehrenden Absturz. Ich war so hoch auf der Leiter – doch dann fiel ich ab.

Was ist real? Wie soll ich ein Leben führen mit diesen Extremen in mir – und dazwischen nichts. Nur schwarz oder weiß. Wie soll ich leben, wenn sich meine Wahrnehmung der Welt fast schon minütlich ändert. Wenn ich die Verbindung zu meinen Eltern nicht mehr habe, so wie es sich aktuell anfühlt. Wenn ich kaum noch Freunde habe, so wie jetzt. Wenn für mich ein Leben, was nicht der Seele entspricht, keinen Sinn macht und die meisten Menschen vom Teufel dirigiert werden. Was, wenn ich mich tatsächlich nie verändern werde und immer gefangen bleibe in diesen Kreisläufen. So vieles ist davon abhängig, wie ich mich selbst sehe und bewerte und dieses Selbstbild bzw. diese Selbstbilder sind entweder übertrieben hell oder übertrieben dunkel. Es gibt nichts dazwischen. Viele Wutausbrüche, Anspannung, Tür eintreten. Mich selbst schlagen und schreien, bis mir an nächsten Tag der Hals wehtut. Und wieder riesige Schuldgefühle gegenüber Marian und wieder Zusammenbruch und wieder alles für’n Arsch. Und wieder am Boden und wieder in der Abwärtsspirale und wieder tot.

Ja, ich möchte sterben. Ich möchte lieber sterben, als dieses Leben zu führen. Das kann nicht sein. Das kann einfach nicht ernst gemeint sein. Dass es diese ganze Scheiße auf der Erde gibt, dass die Erde so ein fucking Gefängnis ist. Das kann einfach nicht sein. Warum sind wir hier als Sklaven.

Aber etwas in mir weiß trotzdem, dass nicht ich die Gestörte bin. Dass ich nichts mehr an mir reparieren muss. Ich bin stark. Ich bin stark. Ich habe eine riesengroße Kraft. Ich scheiße auf euch alle. Dann ziehe ich eben mein Ding komplett alleine durch. Ich gehe auch allein.

27.05.2020

Wenn ich nach innen spüre, dann bin ich meinem Ur-Schmerz, dem größten aller Schmerzen, die ich je gefühlt habe, so nah, so unendlich bedrohlich nah, dass es mir fast den Atem nimmt. Es ist wie Sterben. Es ist wie völlige Kapitulation. Es ist, als sei ich am Ende einer Sackgasse angelangt und ich weiß nicht, wie ich weitergehen soll. Zurück geht nicht mehr, denn der Weg wurde abgeschnitten, es gibt kein Zurück mehr, nur noch vorwärts. Und dieses Vorwärts fühlt sich an, als müsste ich es als ein Nichts gehen, als nur noch bloßes Bewusstsein. Weil jegliche Persönlichkeit, die ich mal dachte zu haben, nicht mehr greifbar ist in mir. Oder es vielleicht auch noch nie war. Ob ich die Stille oder der Frieden, die Wut, der Hass, der Spaß, das Sanfte oder das Harte bin, oder ein Mix aus allem, bin ich so müde zu fragen. Weil es sich eh jede Stunde ändert. Alkohol, Drogen und jegliche Form der Ablenkung gelten schon länger nicht mehr in meiner Welt. Irgendwann, ab einem bestimmten Punkt auf dem Weg der Selbsterkenntnis, sind diese Dinge einfach keine Option mehr. Du kannst dich nicht mehr selbst belügen. Du erkennst die Sackgassen und die damit verbundene Zeitverschwendung.

29.05.2020

Everything is gonna be alright.

Das All-Eins-Gefühl ist wieder da. Danke. Danke für die Realisierung dessen, dass alles auf richtigen Bahnen verläuft, auch wenn der Schmerz gerade manchmal nicht größer und unerträglicher sein könnte. Marian steht so viel mit mir durch. Er bekommt so viel ab. Meine Wut, meine riesige Aggression, meine Schläge. Meine Gemeinheit. Ich bewundere ihn zutiefst. Und ich fühle mich oft schuldig. Manchmal hilft es mir, es wie die Beziehung von Charlotte Roche und ihrem Ehemann zu betrachten. In den ersten Jahren war sie auch noch so verwundet, so „gestört“ und hat sich hin und her gewunden in der tiefen Annahme, nicht liebenswert zu sein und ohne seine Liebe wirklich annehmen zu können. Aber er hat sie von Anfang an zu 100% geliebt, bis heute und hielt den Raum für sie. Marian ist dieser Mann für mich. Und ich werde es ihm zurückgeben können und es werden Zeiten kommen, wo es nicht mehr so stürmisch ist in mir und ich mich besser lieben kann und ich mich selbst besser halten kann. Er ist so ein riesiges Wunder. Ich verehre die Standhaftigkeit, felsenhafte Liebe des Mannes, der die Frau bedingungslos annimmt. In allem, was sie ist.

Das ozeanische All-eins in mir hat mir heute gezeigt, was die Lösung für mein inneres Dilemma und die Leere und die Aufspaltung in verschiedene Anteile von mir ist. Es ist die Ganzwerdung von all diesen Anteilen, Zeiten und Persönlichkeiten in mir und meinem Leben, das Zusammenflicken und das zeitfreie Wahrnehmen von all dem, was ich war und bin. Es ist die Erkenntnis des Dunklen und des Schmerzes als essentieller Teil des Lebens, ohne den das gleißende Licht nicht sichtbar würde. Es tut so gut, wieder Erdung zu spüren. Zumindest für diesen Abend. Erdung, Ruhe und, dass alles gut ist. Es tat so gut, die Sitzung bei Katrin zu haben und zu erfahren, woher die große Aggression und die dahinterliegende panische Angst kommen. Das Nicht-Gehört werden und das Sterben. Ich bin zwar teilweise ein emotionales Wrack, aber ich bin vor allem eine alte Seele auf dem Weg der Heilung und Befreiung. Da ist ein großer Lebenswille in mir. Ich bin noch am Anfang meines Weges. Es wird noch so viel kommen. Aber Stück für Stück dringe ich tiefer zu mir durch, zu meinem Kern. Und immer leichter werde ich das Leben lieben und genießen können und in Gegenwart anderer mich so gut fühlen, wie ich es mir immer erträumte. Und ich werde mich in mir selbst so sehr gefüllt und voll und geliebt fühlen und Menschen auf dem Weg der Heilung begleiten und ein wundervolles Leben mit meiner kleinen Familie leben.

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