Mich verschenken

Es ist Hingabe. Es ist Demut. Das ist es, was ich lerne in diesen Tagen, Wochen, Monaten und in den kommenden Jahren. Durch meinen kleinen Sohn Maël, durch die Mutterschaft. Mich selbst und meine Bedürfnisse loszulassen, quasi gezwungen dazu. Und verdammte Scheiße, kann das hart sein! Aber sind es überhaupt meine wahren Bedürfnisse oder waren sie dazu da, um diese eine, zutiefst befürchtete Leere zu füllen? Natürlich achte ich auf mich, es ist wichtig, dass es dem Mutter-Schiff in einer Familie gut geht, dass sie auf Händen getragen wird. Die nährende Königin. Aber ich meine doch diese anderen „Bedürfnisse“. Gesehenwerden, zum Beispiel. Gesehenwerden für – ja, wofür? Für mich selbst ? Früher wurde mein Hunger nach Gesehenwerden auf Parties gestillt. Ebenso meine Lust und schmerzliche Sehnsucht nach Intensität. Oder sogar im bloßen „den-Gang-Herunterlaufen“ in der Uni. Und natürlich wurde dieses Bedürfnis dabei nicht wirklich gestillt, aber ihr wisst, was ich meine. Ich lerne, meinen Wert unabhängig von einem Außen und den weltlichen Tätigkeiten darin zu spüren – ganz privat und intim, für mich. Das mag im Außen nach nicht viel aussehen, aber in mir drin versetzt es Berge. Und für dieses Wurzelwerk, dieses Stahl-Fundament an Standfestigkeit, was da gerade in mir am Bau ist, lohnt sich jede schlaflose Nacht mit Baby.

Ich lerne nun zutiefst, jeden Tag, die Intensität im Alltäglichen zu spüren. Und dabei kann ich nicht nur auf die höchsten Höhen, die edelsten Gefühle zählen. Nicht nur diese lieben. Es geht darum, nun alles zu lieben. Alles reinzunehmen in mein Herz, in meine Anerkennung. Und fuck, habe ich diese Erdung dringend gebraucht!

Es geht ums Beobachten meines Inneren. Ums nicht Bewerten, nicht mehr Beurteilen. Was bleibt letztlich, wenn ich mit dem Bewerten aufhöre? Kein Drama mehr, keine Auf‘s und Ab‘s? Doch die gibt es noch, aber ohne mich jedes Mal aufs Härteste dafür zu verurteilen. Und wie ist es, wenn ich mich und auch die anderen nicht mehr besser oder schlechter mache in meinem Kopf? Wie hebe ich mich dann von ihnen ab? Worum geht es dann in diesem Leben, auf dieser Erde? Worum geht es wirklich? Wenn Gott keinen Plan mit mir hat und es keine Tasks zu lösen gibt, keine Häkchen dahinter zu setzen. Ich glaube an eine Bestimmung, aber ich glaube, dass sie erst durch ihr Durchleben selbst aktiviert wird. Es gibt kein Zeugnis am Ende des Lebens. Keine Tabelle, die Erfolge und Scheitern nochmal aufbereitet. Keine Danksagung, kein Zertifikat. Worum geht es dann?

Ich glaube für mich geht es ums Fühlen. Um all die zig tausenden Nuancen und Qualitäten an Gefühlen, Räumen, Farben, Gerüchen, Verbindungen. All das, was ich schon erfahren habe, in all seiner vielschichtigen, bunten und auch düster-grauen Pracht. Es geht für mich darum, zu lernen und zu erfahren, was bedingungsloses Lieben tatsächlich bedeutet. Wow, das ist so groß, was es wirklich bedeutet, so groß! Das kann ich bis jetzt nur gelegentlich mal ansatzweise zu fassen bekommen, so groß ist das. Und doch irgendwie so einfach, simpel.

Und worum es auch geht für mich, und das ist vielleicht das Allerwichtigste: Verdammt nochmal mich selbst zu feiern. Dafür, was für eine grandiose Mama ich bin. Liebe Mama da draußen, weißt du eigentlich um den Wert dessen, was du Tag ein Tag aus tust? Du schenkst Leben! Und nein, die Gesellschaft schafft es bis jetzt nicht, dies gebührend anzuerkennen. Ich wünsche jeder einzelnen Mama dieser Welt eine goldene Krone auf den Kopf, denn es ist einfach nur heilig und machtvoll, was sie tut.

Und den Kleinen zu feiern, jeden Tag – was ist er bitte für ein Wunder? Und die Liebe zu feiern. Und dass wir in Frieden leben, JEDEN Tag. Dass der letzte Krieg in diesem Land noch nicht mal 100 Jahre her ist – und wir dürfen in Frieden leben. Mit Essen. Mit warmem Zuhause. Mit allem, was wir brauchen. Danke. Demut und Hingabe ist, was ich lerne in dieser Zeit….

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