Wie das Gefühl, unter Wasser zu sein

Mein Raum. Ich will in meinem Raum sein. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass ich mir gehören will. Natürlich gehöre ich „mir selbst“, nicht wahr? Doch lange fühlte es sich an, als wäre ich nicht alleinige Besitzerin, Eigentümerin meiner selbst. Als würde ich zerstreut sein und vielen Menschen, Energien – kurz: der Welt da draußen – mehr gehören als mir selbst.

Nun möchte ich meinen Raum zurückerobern. Ich bin schon länger auf dieser Reise. Denn ich möchte mein zu Hause, meinen ganz eigenen Raum nicht mehr teilen auf eine ungesunde Weise. Ich will ihn ganz für mich. Und ich möchte mir selbst die Erlaubnis geben, in diesem Raum viel öfter, viel länger, viel weiter zu sein, als ich es mir all die letzten Jahre zugestanden habe. Ich möchte es nicht aufspalten in „die Welt da draußen“ und „mein Raum“. Es ist eins. Jedoch möchte ich meinem Raum gestatten, sich nun auszudehnen. Mit ihm präsent sein und in der Welt da draußen sein.

Ein Mensch wie ich, der viel wahrnimmt und dazu neigt, sich schnell in all den Eindrücken der Welt zu verlieren, der braucht einen klaren und gestärkten inneren Raum. Einen Anker. Ein Zuhause.

In diesem Zuhause tickt eine andere Uhr. Dieser Raum ist voll von tief verwurzeltem Sein, von Geborgenheit, Frieden, Zeitlosigkeit. So wie damals, als kleines Kind. Als ich stundenlang in meinem Zimmer spielte und es gab nur mich, dieses Zimmer, die Häuserwand gegenüber, den Himmel und die Quelle. Und in mir, in der Welt in meinem Herzen, da war es still und friedlich und unendlich. Wie unter Wasser. Es gab kein Gestern und kein Morgen. Keine große Welt da draußen. Die Welt da draußen durchstreifte mein Bewusstsein einfach noch nicht und somit war sie für mich – tatsächlich – nicht existent. Man sagt oft: Als Kind, da hat man noch nicht so ein entwickeltes Bewusstsein und lebt in einer Blase. Aber ich weiß inzwischen, dass genau diese Blase die ursprüngliche Wahrheit ist. Dass wir aus der Welt wieder diese Blase machen können, wenn wir sie tief in uns drinnen leben und fühlen. Wenn die Angst nicht mehr regiert und wenn wir erkennen, dass alles Liebe ist.

Und heute? Heute bereitet es mir doch allen Ernstes Schuldgefühle, wenn ich die Welt da draußen vergesse. Ich gestatte es mir beim Schreiben. Beim Sex. Oder im Wasser. Doch immer wieder drängen sie sich in mein Bewusstsein; all die Gedanken, Bilder, Sorgen über das „da draußen“. Großes Chaos in der Welt, aber mir selbst geht es gut. Ich bin glücklich. Mal mehr, mal weniger. Darf ich glücklich sein in einer Welt, in der es so vielen Menschen schlecht geht?

Ja, ich darf. Ich bin sogar dazu eingeladen. Meine hohe Schwingung unterstützt die Erde mehr, als mein niedriges Mitleiden, mein schuldiges Strahl-Verbot.

Da ist mein Fokus nach Außen und mein Fokus nach Innen. Mein Fokus nach Außen neigt bei Zeiten dazu, zu überwiegen, mir Schmerz zu bereiten, der womöglich noch nicht einmal mir gehört. Ich ehre bereits meinen Schmerz und der reicht mir aus. Mein Außen-Fokus ist viel stimulierter, als mein Innen-Fokus. Er macht mich manchmal gehetzt, ängstlich und verloren. Also wer sagt, dass ich mir das alles, da draußen, permanent reinziehen muss? Wer sagt, dass ich mich davon so entzwei reißen, so völlig verwirren lassen muss? Habe ich nicht viel zu lange all die anderen Leute, Stimmen und Bilder durch meinen Raum, mein inneres Zimmer wandeln lassen? Immer höflich und bedacht, respektvoll, denn ich bin doch ein Teil eines großen Ganzen, ein Mensch von vielen, also muss es mich doch was angehen, was dort draußen passiert, dachte ich immer. Doch ich kann ein integrales, mitwirkendes Wesen auf dieser Erde sein und trotzdem den Fokus auf mir halten.

Nun ist es Zeit, die Tür auch mal abzuschließen. Zeit für meine Privatsphäre, meinen Seelenraum, ohne den ich nicht wahrlich gedeihen kann. Tatsächlich hatte ich mal genau diesen Traum in der Nacht: Viele Menschen wandelten in meinem Zimmer umher; Menschen, die ich nicht einmal kannte. Aber ich wusste nicht, wie ich sie hinaus befördern sollte. Die Tür des Raumes ließ sich nicht abschließen. Mir entglitt mein eigener privater, intimer Raum. Dieses Gefühl des Verlorenseins und der Grenzüberschreitung kenne ich schon so lange. Aber ich suche die Schuld nicht im Außen. Das Gefühl ist mein Lehrer und formt meinen Weg in diesem Leben. Ich möchte an den inneren Ort kommen, wo die Wahrnehmung meines Raumes und meines Seins viel intensiver wird und irgendwann überwiegt. Nicht das Außen mit all den Eindrücken soll mich mehr erdrücken, gar auffressen. Es soll mir nicht mehr so groß, unbesiegbar und einnehmend erscheinen. Viel mehr möchte ich die Welt als ein Dorf sehen. Als mich umgebendes Schauspiel. Die Menschheit in Mitgefühl lieben mit all ihren Facetten und Versuchen und Irrtümern. Das Experiment Menschheit steckt noch in den Kinderschuhen und ich glaube an dich, Mensch. Aber das Zentrum bin und bleibe ich, mein Raum. Das Wissen, dass ich sicher und geborgen bin. Das ich mächtig bin. Mächtig, selbst zu bestimmen, welche Realität mich durchdringt und in welche Richtung ich mich schöpferisch und ausdehnend fortbewege. Ich weiß, dass das mein Weg ist. Diese, meine Macht immer mehr zu ergründen und zu erkunden – es ist ein Abenteuer mit der Mission FREIHEIT !

Ich lebe in verschiedenen Realitäten. In verschiedenen Welten, jeden Tag. Aber meine Seelenessenz ist eine immerwährende Konstante. Es ist ein Ozean. Das Wasser ist ein sehr heiliger Ort für mich. Es ist ein vertrautes Gefühl, wenn mein Körper von der Intimität des Wassers umschmeichelt wird. Hier kommt meine Seele her. Aus den Tiefen des Ozeans. In den Ozeanen, Teichen und Tümpeln dieser Welt herrschen ganz eigene Welten. Unter Wasser. Sie sind Teil unserer Welt und doch separiert, ungestört (natürlich nur so lange, ehe der Mensch sie nicht zerstört). Das ist nur ein kleines Beispiel für die unzähligen Räume und Realitäten, in denen wir uns tagtäglich bewegen. Separiert voneinander und doch parallel und miteinander existierend. Welchen Raum wählst du? Welchen lässt du groß werden, sich ausdehnen? Doch bitte den, der dir gut tut und dich warm und wohlig fühlen lässt. Ihm wohnt genau so viel Wahrheit inne, wie du ihm zuschreibst. Ich wähle nun mehr und mehr meine Welt – ohne mich schuldig zu fühlen.

Ich könnte Nachrichten schauen und jeden Tag für die Menschen weinen. Am Ende meines Lebens blicke ich zurück auf meine Ohnmacht und mein Gefangensein als Sklavin der Angst. Oder ich kann in meinem Raum sein, in dem ich mir erlaube, ein gewisses Außen zwischenzeitlich zu vergessen und stattdessen aus diesem inneren Raum heraus zu erschaffen. Aus diesem Frieden, aus dieser Geborgenheit. Denn das ist es, was ich fühlen will in der Welt da draußen. Doch dazu brauche ich vor allem meinen Innen-Fokus. Der sogar eher wie ein Nicht-Fokus ist, ein enormes Weitsein. Und am Ende meines Lebens kann ich sehen, dass ich Neues erschaffen konnte, weil ich dem Alten und dem Leiden da draußen keine Energie mehr gab. Weil ich an den Menschen glaubte, der die Liebe als seine stärkste und mächtigste Kraft erkannte.

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