Einkehr

Es gibt Tage, da schreit alles leise aber kraftvoll in dir: Ruhe!
Aber du hörst nicht hin. Du machst weiter wie gewohnt und wunderst dich, dass die Dinge nicht so laufen, wie du es gerne hättest.
Es gibt Tage, da klagt jeder zweite über eine Erkältung, sieht müde und kaputt aus, eigentlich, sagst du, könntest du den ganzen Tag im Bett verbringen und jeder nickt und stimmt dir zu, macht aber weiter wie bisher. Die Weihnachtsgeschenke müssen ja gekauft und das Geld verlangt verdient zu werden, das große Rad dreht sich auch im dunkelsten Monat des Jahres weiter. Der doppelte Haufen an Erledigungen ist jetzt mit der Hälfte an Licht und Lebensenergie zu bewältigen.

Es gibt Tage, da verzehrt sich meine Seele nach Alleinsein und der tiefen Einkehr in mich selbst, nach dem Hineinsinken in mein inneres, verborgenes Licht und in diese Wärme, die ein entferntes und doch so vertrautes Zuhause ist für mich. Stille, Ruhe, Wärme, Alleinsein. Tauche ich darin wahrhaftig ein, dann ist es, als wäre es für immer. Als würde keine Außenwelt mehr existieren. Keine andere Stimme, keiner von eine Millionen Lebenswegen, kein Foto aus dem Internet, kein Buch, kein Einfluss von außen, keine andere Energie, die mich mal wieder von mir fortreißt. Ich will einfach nur ankommen bei meiner Essenz, meinem tiefsten Zuhause, aber davon weg bringen mich immer wieder die Verabredungen, die Gänge zur Uni, ja sogar der Gang in die Küche, weil ich diese Wohnung nicht alleine bewohne. Wie wäre es, eine Woche mal niemanden zu hören, mit niemandem zu sprechen, niemanden zu sehen, nicht online zu gehen? Wie wäre das? Es wäre wohl gruselig und absolut fantastisch.

Ich möchte in dieser Endzeit des Jahres niemand sein, nichts leisten müssen, nichts verändern oder transformieren oder produzieren müssen. Nur ruhen und einkehren und mucksmäuschenstill zuschauen und mich diesem zyklischen Zusammenziehen des Lebens anpassen, anstatt dagegen anzukämpfen. Gerade jetzt, in diesem Moment, um 16:35 Uhr entscheidet die Natur, dass dieser Tag bereits zu Ende geht. Es ist dunkel, du darfst ruhen. Hab keine Angst, es wird dir nichts passieren.

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