Zu zweit

Ein etwas älterer Text, entstanden in meiner ersten richtigen und wunderschönen sowie schrecklich schwierigen Beziehung. Um keinen Preis auf der Welt will ich sie missen. Beziehungen sind so ein riesiges Geschenk für Transformation, dass es schon fast unheimlich ist.

Zu zweit

Wirklich und auf gute Weise zu zweit sein, heißt: Du kannst dich nicht mehr verkriechen. Früher oder später musst du da raus, wenn dir wirklich was am anderen liegt. Vor allem, wenn du beginnst, diesen Jemand zu lieben. Dann musst du dich zeigen, im Ganzen und lernen, dich zu ertragen, in allen Stimmungen und sie letztlich lieben. Dich lieben. So wie es der Jemand tut.

Anfangs fühlte es sich für mich sehr oft nach einem Verlust an. Mein Alleinsein und das Leben in meiner eigenen Welt, ohne Reden zu müssen, war mein Hafen und meine Gemütlichkeit. Meine Angstlosigkeit und Konfrontationslosigkeit. Meine Identifikation. Die habe ich oft vermisst. Im Zuzweitsein fühlte ich mich nach weniger an als im Alleinsein. Etwas fehlte. Ich fühlte Schmerz zu merken, dass ich vielleicht doch nicht so war, wie ich es immer von mir glaubte zu sein. Zumindest konnte ich es im Zuzweitsein nicht sofort ausleben.

Doch von Zeit zu Zeit veränderte es sich. Der geliebte Jemand erlöste mich von Tag zu Tag vor dem Ein-Igeln und vor den kreisenden Gedanken um sich selbst. Wir erlösten uns gegenseitig; auch anders herum geschahen wundersame Dinge, die uns wachsen ließen und uns liebender machten, auf allen Ebenen. Ein stark selbst bezogener Geist lernte von einem äußerst selbstlosen Geist und andersherum. Gemeinsam lernten wir unsere beiden Pole auszubalancieren und nahmen Teile des anderen in uns auf, die uns halfen, besser mit uns selbst umzugehen. Es geschah mit der unglaublich viel zusammen verbrachten Zeit, mit dem vielen Reden und Austauschen, mit dem absoluten Ehrlichsein, mit der tiefgreifenden Wertschätzung, mit der Geduld, mit dem stillen Beobachten des anderen Geistes, mit dem tiefen Kennenlernen des Anderen, mit dem Leiden und mit dem Freuen, dem aufrichtigen Zuhören und der Auseinandersetzung mit dem eigenen hartnäckigen Ego.

Nun kann ich es besser leben, das Zuzweitsein und es beinhaltet wieder eine eigene kleine Welt, in der ich Zeit und Raum vergesse. Aber sie ist so viel inspirierender und realer und gleichzeitig märchenhafter als die Welt mit mir alleine. Sie ist nicht selten schrecklich, aber eben auch wunderschön.

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