Svenja

Wir kennen uns noch aus der Schule, waren zusammen reisen und trafen uns nach einiger Zeit nun wieder an der Domäne, dem Kulturcampus von der Uni Hildesheim. Svenja erlebe ich schon immer als einen sehr gerechten, kritischen und lustigen Menschen in dessen Gegenwart ich mich sehr heimisch fühle. Mit ihr kam ich oft ins Gespräch über diesen Ort an dem viele künstlerische Fächer studiert werden und dementsprechend ein bunter Haufen an Menschen aufeinander trifft. Kreativ? Auf jeden Fall. Aber wie fühlt es sich sonst noch an, dort zu sein. Sind wir dort wir selbst, kannst du du selbst sein? Fühlst du dich angenommen? Diese Fragen beschäftigen mich manchmal, wenn ich über den Campus schlendere und in den Seminaren sitze. Mich interessiert, wie andere sich hier fühlen und was sich in ihrem Innersten abspielt.

I N T E R V I E W

1Teil zur Domäne

Mit welchem Gefühl gehst du über den Campus? 

Ich muss sagen, mittlerweile bin ich schon eher abgestumpft und habe ein leichtes Gleichgültigkeitsgefühl. An die Leute habe ich inzwischen wenig Erwartungen und ich bin etwas abgeschreckt. Am Anfang hat mich der Campus noch fasziniert, weil er eine Art Parallelgesellschaft darstellt, einen eigenen Kosmos. Es gab viele Leute von denen man dachte, es seien interessante Menschen, aber viele sind dann doch nicht so interessant wie sie zu sein scheinen. Mittlerweile gehe ich eben hin, weil ich zur Uni muss, aber nicht unbedingt wegen der Menschen dort. Ich versuche einiges auszublenden und mit den Leuten zu sein, die mir wichtig sind.

Was fehlt dir dort?

Mir fehlt die Menschlichkeit! Manche Leute sind dort so krass in ihrem eigenen Ding drin und haben aus meiner Sicht oft die Realität nicht mehr im Blick, weil sie sich nur noch in ihrem eigenen Kosmos verstehen und alle, die dem nicht entsprechen, werden ausgeblendet oder teilweise herabgesetzt. Das Ideal von wegen „wir sind weltoffen, wir sind alternativ oder wie sind öko“, ist für mich einfach nicht authentisch, wenn man sich Anders-Denkenden gegenüber verschließt. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass viele Studis an der Domäne falsch sind, fake, dann treffe ich mich lieber mit Leuten, die authentisch sind und die offen ihre Meinung sagen können ohne darauf achten zu müssen, ob man denn nun gendert oder sich vermeintlich „rassistisch“ äußert.

Kannst du eine konkrete Erfahrung beschreiben?

 Was mich sehr enttäuscht und entsetzt hat war eine Situation im Projektsemester mit einigen Leuten. Der Teil der Gruppe hat sich extrem abgespalten und klar signalisiert, dass er mit den anderen nichts zu tun haben wollte, weil sie sich für etwas besseres halten oder was auch immer die Motivation war. Dabei habe ich auf der anderen Seite die positive Erfahrung gemacht, dass der Rest der Gruppe sich zu einer zusammen schließen konnte. Und, nicht dass es den total falschen Eindruck erweckt: Ich hab natürlich auch viele tolle Menschen kennen gelernt an der Domäne.

2. Teil zum Persönlichen

Kennst du das Gefühl des Selbstzweifelns?

Ich kenne eher eine Unzufriedenheit, wenn ich mich mit Leuten streite, die mir nah stehen. Dass ich im Nachhinein merke, dass ich vielleicht falsch gehandelt habe und mich hinterfrage und deshalb eine Unzufriedenheit mit mir spüre, aber deshalb würde ich mich nicht direkt anzweifeln.

Aber das Gefühl, dass du dir selbst nicht genügst, kennst du nicht?

Nein, das eigentlich nicht. Eigentlich habe ich auch nicht so hohe Ansprüche an mich, von daher kann ich mir gar nicht in vielen Punkten nicht genügen. Es kommt jeder Tag und man muss das Beste draus machen, aber ich würde mir nicht jeden Tag vornehmen, das und das geschafft zu haben und wenn nicht, dann stürze ich in eine Krise oder so. Man muss ja irgendwie flexibel mit dem Leben umgehen.

Gibt es trotzdem etwas, was du für dich erreichen willst?

Vielleicht klingt es banal, aber ich wäre schon glücklich wenn ich irgendwann meine eigene Familie hätte, einen kleinen Zusammenhalt für mich. Das würde ich schon cool finden. Es klingt mega spießig, ich muss jetzt auch nicht in meinem eigenen Haus wohnen, aber es wäre schön, wenn ich in der Lage wäre eine Familie zu managen. Und ansonsten, dass ich erstmal meinen Bachelor abschließe, ein paar Jobs finde im Leben, die zu mir passen. Das sind nicht so die Mega-Wünsche, aber ….

… das ist doch voll schön und genügsam!

Ich denke, ja, das würde mich glücklich machen.

Woran glaubst du?

Meinst du religiös? Oder für mich?

Einfach so, woran du glaubst! Für dich oder für die Menschen. Es muss nichts Göttliches sein, es kann auch etwas anderes Immaterielles sein. 

Irgendwie ist ja schon vieles utopisch an das, woran man so glaubt, oder? Was für mich eine schöne Vorstellung wäre, ist, dass alle Menschen auf der Welt Mensch sein dürften, dass es ein soziales oder ökonomisches Gleichgewicht gäbe. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwie erreicht wird. Der Mensch ist zu habgierig und egoistisch, als dass er das irgendwie zulassen würde. So wie wir beispielsweise leben, funktioniert nur dadurch, das wiederum andere Menschen ausgebeutet werden. Es wäre eine schöne Vorstellung, wenn die Welt in Frieden leben würde. Weiß nicht, ob das jetzt so ein Glaube ist, eher wohl eine Wunschvorstellung.

-END-

… kurz nach Ausschalten des Aufnahmegeräts sagte Svenja noch, dass sie sich über die Glaubensfrage bisher kaum Gedanken gemacht hat. Ich möchte diese Frage noch vielen Menschen stellen und herausfinden, ob das Wort „Glauben“ immer nur mit Religion verbunden werden muss oder auch neue Konnotationen finden könnte.

 

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