Wie wir uns unser eigenes Grab schaufeln oder: Die Verstümmelung des menschlichen Geistes

Wenn wir unser Smartphone in der Hand halten, denken wir, dass wir es im Griff haben. Wir denken, dass wir Herr über dieses kleine Gerät und über unsere Bewegung zum Handy, zur Maus, zum Touchpad sind. Oder, wir denken einfach gar nicht mehr, weil wir uns ja permanent ablenken können, mit Instagram-Fotos, sinnlosen Spielen und Whatsapp-Nachrichten.

Der Haushaltsroboter wird das schon managen. Das vom Autopilot gesteuerte Auto wird mich schon heil nach Hause bringen. Blöd nur, wenn es dabei einen Sattelzug übersieht, in den ich frontal hinein rase. Blöd nur, wenn ich für drei Stunden keinen W-Lan-Empfang habe und befürchte, dass die Welt untergeht. Die Rede ist vom Verdummungsapparat der Neuzeit, die Rede ist von neuen Technologien. Von Kreaturen namens Computern und dem riesigen schwarzen Loch namens Internet, die schon jetzt so viel mächtiger als ihre Macher sind. Doch, es gibt noch mächtigere Eliten: Riesen-Konzerne wie Facebook, Google, Amazon und Co. Sie wollen unsere Zukunft kreieren. Eine Zukunft mit künstlicher Intelligenz, also Robotern und Computersystemen in Bereichen der Gesundheit, des Transports, in Schulen und Universitäten.

Von diesen extravaganten und (erfreulicherweise) bisher wenig genutzten Auswüchsen der Technologie- und Wirtschaftslobby erst einmal abgesehen. Was aber Fakt ist und mit Schrecken zu beobachten: Wir werden immer abhängiger und immer süchtiger. Nach der Bequemlichkeit des Internets, der blinkenden Zahl, die uns eine neue Nachricht (Aufmerksamkeit! Bestätigung!) anzeigt. Es mach bling und unser Gehirn sendet einen Dopaminstoß aus. Zack, Belohnung. Befriedigung. Aber nur kurz. In permanenter Anspannung, im permanenten „On-Sein“  wird die nächste Nachricht, das nächste Foto erwartet, der nächste Klick angepeilt. Und PANIK! wenn da nichts steht, keine Zahl, kein Blinken. Meine Beschreibungen sind zugespitzt, dennoch weiß ich von der kleinen Schwester meiner Freundin, der es genau so ergeht. Sie legt ihr ganzes Hoffen, ihr ganzes Vertrauen in Facebook und Co., in die Welten der virtuellen Kommunikation und bricht in Tränen aus, wenn ihr Verehrer nicht innerhalb von 2 Minuten zurückschreibt. Gut, hier könnte man nochmal eine ganz eigene kritische Abhandlung über die Selbstthematisierungsportale der Neuzeit halten. Aber auch diese sind Auswüchse des Internets.

Ja, auch ich bin viel im Internet, ja, auch ich habe Facebook. Aber ich weiß es bewusst zu nutzen. Abhängig bin ich trotzdem, zumindest vom Internet. Meine Sorge dreht sich vielmehr um die jetzige Kinder- und Jugendgeneration und die nachfolgenden Generationen. Es muss mehr Aufklärung stattfinden, vor allem Eltern sollten das schädliche Risiko realisieren und ihrem Kind nicht mit fünf schon das Smartphone in die Hand drücken. Bei solchen Fakten schlagen Psychologen die Hände über dem Kopf zusammen. Bevor ein Kind  14 oder 15 Jahre alt ist, sollte am besten mit dem digitalen Konsum noch überhaupt nicht begonnen werden.

Die Folgen frühen Gebrauchs von Smartphone und Co., vor allem im Baby- und Kleinkindalter sind verheerend (Bildungspolitiker spielen tatsächlich mit dem Gedanken der „Digitalen Kitas“ und Entwicklungen wie das „KitaPad“ einzusetzen):

  • Störungen der Sprachentwicklung und Aufmerksamkeitsstörungen, Fehlstimulationen
  • geringeres Bildungsniveau
  • Neigung zu Übergewicht
  • Empathieverlust, vermehrte Depressivität, Schlafstörungen, Suchtverhalten
  • keine Selbsterfahrung um Sprechen, Spielen etc. zu lernen, die im Baby- und Kleinkindalter so essenziell ist

Jeder, der schon eine Stunde am Tag vorm Bildschirm sitzt, wird geflutet mit Infos und Bildern.  Wir SCHALTEN NICHT MEHR AB. Wie auch, wenn wir dauerhaft zugedröhnt werden.

Wann hast du deinem Gehirn und deinen Augen das letzte Mal Urlaub vom Online-Sein gegönnt? Und gemerkt, wie glücklich und innerlich ruhig du dich schon nach drei Tagen ohne Bildschirmstarren gefühlt hast? Das Internet hat seinen Nutzen, seine Berechtigung. Aber ich empfinde sein Eigenleben manchmal als sehr erschreckend. Ich stelle mir bei einer fortschreitenden Digitalisierung unserer Welt vor, wie es uns schleichend die Seele entzieht, uns bewegungslos und passiv macht. Wir denken, bauen, kreieren, handeln, agieren weniger, wenn wir permanent online sind.

Anscheinend ist sich die westliche Welt einig, es sei der richtige Weg, alles und jeden zu technologisieren und immer effizientere, zeitsparendere technische Entwicklungen voranzutreiben. Ich frage mich: Warum? Warum denkt da eine große Masse an Menschen oder vielleicht ist es auch nur eine kleine, aber dafür eine mächtige, dass wir das alles brauchen? Dass uns als Mensch immer mehr Verantwortung genommen wird. Was will damit wirklich erreicht werden? Mehr Zuverlässigkeit, Sicherheit, Perfektion? Worauf sollten wir uns denn sonst verlassen, außer auf unsere eigene Intuition, unseren Verstand? Das alles empfinde ich als riesige Entfremdung. Als eine Distanzierung von der Natur und von Menschlichkeit. Von der Wahrheit. Deshalb macht es mich skeptisch und es macht mir Angst!

Quelle: http://www.waldorfkindergarten.de/aktuelles/aufruf-nein-zur-digitalen-kita.html

 

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